Die Behauptung „Ich bin nicht fürs Laufen gemacht“ suggeriert oft, dass Lauftalent rein genetisch bedingt ist.
Doch wie haltbar ist diese Vorstellung, dass die Veranlagung zum Laufen ausschließlich in den Genen liegt? Welche Voraussetzungen für das Laufen überhaupt erforderlich sind und welche genetischen Faktoren unseren Lauf beeinflussen, beleuchten wir in der neuen ACHILLES RUNNING Podcast-Folge gemeinsam mit Dr. Freddy Sichting. Er ist Professor für Bewegungswissenschaft und forscht primär im Umfeld von Evolution und Bewegung in der modernen Zeit. Mit seiner Zwillingsstudie hat er eindeutig gezeigt, dass niemand zum Laufen „geboren“ wird, sondern die meisten Anpassungen durch gezieltes sportliches Training erzielt werden.
Genetische Voraussetzungen fürs Laufen
Evolutionär betrachtet ist der Mensch ein:e Ausdauerläufer:in. Anatomische Merkmale wie lange Achillessehnen oder unser effizientes Kühlsystem (Schwitzen) ermöglichten unseren Vorfahren das Jagen über weite Strecken. Die grundlegende Fähigkeit zum Laufen ist somit tief in unserer DNA verwurzelt.
Teilweise bestimmen genetische Faktoren unsere Laufleistung. Die entscheidende Frage jedoch ist: Machen uns diese Gene zu „geborenen Läufer:innen“? Dr. Freddy Sichting liefert eine klare Antwort: Niemand wird fertig fürs Laufen geboren. Seine Forschung zeigt: Die Anlage ist vorhanden, aber die tatsächliche Leistungsfähigkeit und die Anpassung des Körpers werden überwiegend durch sportliches Training bestimmt. Der Körper ist extrem anpassungsfähig. Regelmäßiges Lauftraining verändert Knochen, stärkt Sehnen und verbessert die kardiovaskuläre Effizienz. Auch die Fußform ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Es gibt bislang keine Belege dafür, dass Fußfehlstellungen im physiologischen Bereich (wie Platt- oder Hohlfuß) das Risiko für Verletzungen oder Krankheitsbilder erhöhen. Im Vergleich zu einem stark ausgeprägten Längsgewölbe hat ein Plattfuß auch während der Laufbewegung keine funktionellen Nachteile.
Alles eine Frage der Anpassungsfähigkeit
Dein Körper ist ein Meisterwerk und reagiert direkt auf Belastungen in Form von Anpassungen – insbesondere im Kontext des Laufens.
Was du wirklich zum Laufen brauchst, sind keine selten angeborenen Talente, sondern die Bereitschaft, den eigenen Körper durch konsequentes Training zu fordern. Die Grundlage bildet natürlich ein gesundes System aus Knochen, Gelenken, Muskeln und Bindegewebe. Ohne schwerwiegende Vorerkrankungen oder Verletzungen ist dieser Apparat grundsätzlich darauf ausgelegt, das Laufens zu bewältigen. Der große Unterschied zwischen Läufer:innen liegt oft in der Steifigkeit und Elastizität der Sehnen (wie der Achillessehne). Feste und elastische Sehnen sind entscheidend für die sogenannte Speicher- und Rückfederungsfähigkeit. Sie speichern Energie bei der Landung wie eine Feder und geben diese beim Abdruck effizient zurück. Dies spart Muskelkraft und macht das Laufen ökonomischer. Diese sehnenspezifischen Eigenschaften sind nicht nur genetisch bedingt, sondern in hohem Maße trainierbar! Durch gezielte Trainingsmethoden wie Plyometrie (Sprungtraining) und progressives Krafttraining kannst du die Qualität und Steifigkeit deiner Sehnen optimieren. Diese Anpassung führt direkt zu einer verbesserten Laufökonomie und damit zu einer gesteigerten Laufleistung.
Wenn du bereit bist, kontinuierlich und progressiv zu trainieren, dann adaptieren sich deine Strukturen, und du wirst besser. Die zentrale Erkenntnis unserer neuen Folge lautet: Während die Evolution uns die Werkzeuge zum Laufen gab, formt das Training den oder die Läufer:in. Jede gesunde Person ist evolutionär zum Laufen fähig – die Transformation zu mehr Leistung geschieht jedoch erst durch bewusste, regelmäßige sportliche Betätigung. Tauche ein in die neuste Folge vom ACHILLES RUNNING Podcast, die sich diesmal ganz um das Fundament deines Lauferlebnisses dreht: deine Genetik, Füße und die Magie der Evolution – du findest sie bei allen gängigen Podcast-Anbietern, inklusive Spotify und Apple-Podcast.